Das Galapagos Patagonienās - pures Leben in Puerto Deseado
- Marion Marquardt

- Nov 5, 2022
- 5 min read
Updated: Dec 8, 2022
Delphine, Delphine und nochmal Delphine ā Lebensfreude pur
Von Seelƶwen eskortiert ā eine spaĆige Kajakfahrt im Ria Deseado
Tausende von Magellan Pinguinen auf der Pinguin Insel
Die Rockhopper Pinguine machen ihrem Namen alle Ehre
Wir sind auf dem Weg nach Ushuaia. Vor kurzem sind wir von der Halbinsel Valdés (>>> siehe unser Blog) aus losgefahren, um die über 2.000 km lange Strecke in Angriff zu nehmen. Aber schon nach ein paar Stunden Autofahrt sind wir genervt... Wir haben noch ca. 2 Tage "Puffer". Eigentlich sind die für Grenzübergänge, Fähren und andere Unbekannte geplant. Dann entdecken wir Puerto Deseado, auch das Galapagos Patagonien's genannt, etwas abseits der eigentlichen Strecke auf der Karte. Den Tipp hatten wir von unseren deutschen Bekannten aus dem IberÔ Nationalpark (>>> siehe unser Blog), Ute und Holger, bekommen. Nach einer 5-minütigen Recherche biegen wir ab und nehmen den Umweg von knapp 4 Stunden in Kauf. Und um Euch nicht zu lange auf die Folter zu spannen, ja, er war es wert! So was von!
Wir wollen auf jeden Fall auf die Isla Pingüino, rund 25 km südƶstlich der Stadt. Dort findet man eine der wenigen Kolonien von Rockhopper Pinguinen. Diese sind nur auf sehr wenigen und schwer zugƤnglichen Inseln zu finden. Auch diese Insel hier ist ohne eine geführte Expedition kaum zu erreichen. Wir buchen ganz kurzfristig bei Darwin Expeditions am Vorabend. Am nƤchsten Morgen lernen wir unseren Guide Roxanna und die anderen Passagiere kennen. Wir sind eine bunte, internationale Gruppe von 10 Personen. Schwimmwesten an und los gehtās im Zodiac Boot in Richtung offenes Meer. Schon nach wenigen Minuten drosselt der Bootsfahrer den Motor, wir sichten die ersten Delphine! Sie sind so neugierig, umzingeln und begleiten unser Boot. Wir sind hin und weg. Es werden immer mehr. Und sie haben mindestens genauso viel SpaĆ wie wir!
Die Bootsfahrt an sich ist schon cool. Der KapitƤn filmt lƤssig mit seiner GoPro, meist nur mit einer Hand am Steuer und immer auf der Suche nach den grƶĆten Wellen. Der mag seinen Job! Nach ca. 1,5 Stunden erreichen wir die Insel. Eine sehr schroffe Küste erwartet uns. Gar nicht so einfach, von Bord zu kommen. Mit unserem aufblasbaren Wanderkajak wƤre der Landgang schwierig bis unmƶglich gewesen. Kaum auf der Insel, sehen wir die ersten Magellan Pinguine. Gerade ist Brutzeit. Die MƤnnchen tragen eifrig Gras heran, um Nester zu bauen, die Weibchen sind hƤufig schon am Brüten. Die Pinguin Weibchen legen zwei Eier, die rund 40 Tage ausgebrütet werden. Man muss wirklich aufpassen, dass man nicht auf die ca. 70 cm groĆen Pinguine tritt ā überall um uns herum liegen sie im Gras, teilweise halb versteckt unter Steinen.


Nach einem kurzen FuĆmarsch über die Insel erreichen wir die Kolonie der Rockhopper Pinguine, zu Deutsch Felsenpinguine. Wie ihr Name schon sagt, halten sie sich auf felsigem GelƤnde auf. Die Nordseite der Insel ist prƤdestiniert dafür. Ćberall findet man die putzigen Tiere. Sie sind mit ca. 50 cm noch etwas kleiner als die Magellan Pinguine. Ihr Markenzeichen sind der orange Schnabel und die schwarzen und gelben Kopffedern, sowohl bei den MƤnnchen als auch den Weibchen. Von Oktober bis April befinden sie sich auf der Insel. Dazwischen sind sie in den GewƤssern des Atlantik unterwegs, in der Regel ohne lƤngere Aufenthalte an Land. Das würden sie auch nicht überleben, da es meist zu warm ist. Jedes Jahr kommen sie zum Brüten auf die Insel. ZunƤchst kommen die MƤnnchen an, etwas spƤter die Weibchen. Und das Wiedersehen ist ein groĆes Ereignis. Pinguine sind grundsƤtzlich monogam und bleiben sich ein Leben lang treu ā Ausnahmen bestƤtigen natürlich die Regel. Die Weibchen legen im November die Eier, genau zwei Stück. Das erste ist in der Regel etwas kleiner als das zweite. Das kleinere fƤllt hƤufig den Vƶgeln zum Opfer. Leider kƶnnen sie sich vor den Angriffen nicht schützen. Die einzige Verteidigung ist die Warnung ihrer Artgenossen über lautes Geschnatter. Aus dem Grund liegen die Brutstellen auch sehr eng beieinander. Im Dezember schlüpfen dann die kleinen Pinguine, die im April mit ihren Müttern die Insel verlassen. Die MƤnnchen trennen sich ā temporƤr, bis zum nƤchsten Frühling ā von ihnen. Wir sind hin und weg von den Rockhopper Pinguinen. Derzeit gibt es über 1.400 Nester auf der Insel, Tendenz jƤhrlich steigend.

Jetzt ist es Zeit für die Rückfahrt. Gleich nach dem Boarding hat der KapitƤn noch eine Ćberraschung für uns parat. Wir fahren auf die Nordseite der Insel, wo unzƤhlige Seelƶwen auf den Felsen liegen. Und kaum rasen wir vorbei, stürzen sie sich in die stürmischen Fluten und schwimmen frƶhlich um uns herum. So aktive Seelƶwen habe ich noch nie gesehen. Sie machen riesige Sprünge. Einfach unglaublich! Ein absolut unvergesslicher Anblick.
Wir wollen am nƤchsten Tag auf jeden Fall unsere Delphin Begegnungen mit dem Kajak wiederholen. Roxanna empfiehlt uns eine Tour in den CaƱadon Torcido, ein Nebenarm des Rio Deseado. Der Canyon ist nur bei Flut vom Wasser aus zugƤnglich. Sie recherchiert die Gezeiten für den kommenden Tag und warnt uns vor heftigen Strƶmungen. Wir übernachten direkt am Flussufer, idyllisch gelegen. Ein malerischer Anblick! Kaum Wind und angenehme Temperaturen. Direkt von unserem Ćbernachtungsplatz kƶnnen wir am nƤchsten Tag unser Kajak launchen. Wir starten früh morgens. Leider sehen wir keine Delphine. Aber nicht weit vom Ufer liegt eine kleine Insel, auf der Seelƶwen leben. Wir paddeln dorthin und schon nach wenigen Minuten werden wir von den neugierigen Tieren umringt. Sie tauchen ringsherum um unser Kajak, schnaufen laut und spritzen uns nass. Was für ein SpaĆ!

Jetzt gehtās weiter in Richtung Canyon, etwa 2 km müssten es sein. Die Strƶmung arbeitet für uns, so dass wir schnell vorankommen. Nach etwa einer Stunde fragen wir uns, wo die Abzweigung zum Canyon wohl ist und schauen auf das GPS. Oh nein! Wir sind schon über 8 km gepaddelt. Bei den aktuellen StrƶmungsverhƤltnissen kommen wir da nicht oder nur mit maximaler Anstrengung zurück. Wir unternehmen noch einen halbherzigen Versuch gegen die Strƶmung anzukommen, brechen aber schnell ab. Micha ist ā gelinde gesagt ā leicht sauer. Hab ich ihm doch immer wieder versichert, ich wüsste, wo es in den Canyon abgeht. Oooooops. Zurückpaddeln kommt nicht in Frage, das wƤre nur Kraftverschwendung. Wir entschlieĆen uns, das Kajak anzulanden und die Küste entlang zum Auto zurückzulaufen. Leider ist der Weg etwas lƤnger, als der direkte auf dem Fluss, schƤtzungsweise 12 km. Und das in Flipflops - immerhin nicht barfuĆ :-) Nach etwa der HƤlfte überholt uns doch tatsƤchlich ein Auto. Wir winken aufgeregt und fragen nach einer Mitfahrgelegenheit. Por cierto! Nach einer weiteren Stunde haben wir es schlieĆlich mit Hugo zu unserem Kajak geschafft (gut, dass wir ein Offroad Fahrzeug haben) und laden es ein. Haha. Das war mal wieder ein āType 2 funā (Anm. d. Red.: Nicht witzig, wenn es passiert, aber im Nachhinein lustig). Naja, für mich war es eigentlich die ganze Zeit witzig :-)
Und damit ist es schon Zeit, aufzubrechen. Wir haben noch immer knapp 1.300 km bis nach Ushuaia. Auf zum nƤchsten Abenteuer!























